Verwerflich ? – Greifvogelfotgrafie an Luderplätzen

In der Maiausgabe 2019 der Zeitschrift “NaturFoto” widmet sich Torsten Pröhl ausführlich dem Thema der Greifvogelfotografie mit der Methode des Anfütterns.  

bei den Weißrückengeiern in Äthiopien

Die Frage dabei ist: sind sogenannte Luderplätze – Orte, an denen tote Tiere ausgelegt werden, um Aasfresser anzulocken – einfach nur eine effektive Maßnahme, um möglichst einfach zu guten Greifvogelbildern zu kommen? Und wenn ja – ist das verwerflich?  Es wird versucht, den unter Naturfotografen oft kontrovers diskutierten Sachverhalt, aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erläutern. Zunächst wird erörtert, was ein Luderplatz ist und welchem Zweck er dient. Parallelen zur Jagd mit der Waffe sind augenscheinlich und bieten sich auch für den ambitionierten Kamerajäger an.

„Am ausgelegten Futter kann man hauptsächlich die gängigen Aasfresser erwarten. Bei uns sind das vor allem die beiden Milan-Arten sowie der Mäusebussard, mit Einschränkungen auch die Rohrweihe und im Winter der schöne Rauhfußbussard. Aber mit Beharrlichkeit ergeben sich auch Überraschungen. Ich habe auch schon Habichte und sogar Turmfalken am Aas fressen sehen. Besondere Erlebnisse sind immer Interaktionen verschiedener Arten. Wer einen solchen Platz anlegen möchte, ist am besten dran, wenn er eigenes Land besitzt. Ansonsten sollte man sich mit dem Grundstückseigner und dem Jagdpächter einig sein und möglichst die gesetzliche Vorgaben erfüllen, wenn man keine unangenehmen Überraschungen erleben will. Sehr gut eignen sich ehemalige Bergbauflächen oder Deponien – am besten umzäunt. Hat man eine Genehmigung, muss der direkte Futterplatz sowieso eingezäunt werden. Stark von Besuchern, vor allem von Hundebesitzern, frequentierte Areale, scheiden aus. Hier herrscht zu viel Unruhe.“

Rotmilane in Spanien

Greifvögel geraten in unserer modernen Kulturlandschaft heute immer mehr in Bedrängnis. Die Methoden der intensiven Landwirtschaft reduzieren das normalerweise vorhandene natürliche Nahrungsangebot auf ein Minimum. Veränderte Fruchtfolgen und  Einförmigkeit der Feldfrüchte geben den Greifvögeln immer weniger Gelegenheit, zur Zeit der Jungenaufzucht genügend Nahrung zu erreichen. Außerdem fällt ein wichter Nahrungsbestandteil für alle Aaasfresser weg, weil verschärfte EU-Hygienevorschriften nahezu alles Aas aus unseren Landschaften verbannen. Neuerdings gibt es verstärkte Bestrebungen, vor allem in Naturschutzprojekten, es wieder zu erlauben, unter bestimmten Auflagen, tote Tiere in der Landschaft zu belassen.

Geierfutterplatz in Spanien

„Profiteure dieser Maßnahmen sind nicht nur die Greifvögel. Auch Säuger – vom Fuchs bis hin zu Kleinsäugern – kommen regelmäßig. Verschiedene andere Vogelarten ernähren sich von den Nebenprodukten, wie etwa Fliegenmaden und den Lar-ven aasfressender Käfer. Der vom Aussterben bedrohte Steinschmätzer hält sich bevorzugt an Kadaverresten auf, um dort Insekten abzustauben. Teilweise mumifizierte Kadaverreste, Knochen und Fell werden oft noch über lange Zeit von ganzen Lebensgemeinschaften besiedelt, wie Bohrgänge im Leder u.ä. verraten. Außerdem sind Haare und Federn wichtig für den Nestbau der Vögel. Anstelle dieser natürlichen Materialien findet man heute oft Plastikstricke und Bindegarn als Auspolsterung. Künftig sollen Biologen klären, welch’ komplexe Vorgänge sich rund um die Kadaver abspielen. Auch die größten unter den Fleischfressern benötigen das Fleisch toter Tiere dringend zum Überleben.“

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