Der Rotmilan

Im folgenden Abschnitt haben wir für Sie interessante Informationen über den Rotmilan zusammengestellt. Illustriert wurden die Texte mit Fotos von fokus-natur.de.

Lateinisch:   Milvus milvus
Englisch:   Red Kite
Französisch:   Milan royal
Schwedisch:   Röd glada
Spanisch:   Milano real
Italienisch:   Nibbio reale
Russisch:   Красный коршун

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Porträt Rotmilan

Der Rotmilan oder auch Rote Milan ist eine endemische Art der westlichen Paläarktis. Europa beherbergt dabei heute fast  95 % des Weltbestandes. Von diesen etwa 25.200 – 33.400 Brutpaaren leben  2000 – 3000 in Frankreich, etwa 4000 in Spanien und  12.000 – 18.000 in Deutschland. Mit mehr als 50 % des Weltbestandes gibt es damit keine zweite Vogelart, für deren globale Erhaltung die Bundesrepublik eine ähnlich hohe Verantwortung trägt (8).

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Der Schwerpunkt der deutschen Vorkommen liegt mit etwa zwei Dritteln der Paare in Ostdeutschland. Aber auch hier sind in letzter Zeit, wie in vielen Regionen drastische Bestandsrückgänge zu verzeichnen.

Bei Mebs /Schmidt (2) finden sich dazu z.B. folgende Angaben: „ Nachdem noch bis Ende der 1980er Jahre ein positiver Trend festzustellen war, nahm der Bestand von 1994 bis 1997 um rund 27% ab, wobei die Hauptursache in der Veränderungen der Landwirtschaft seit der politischen Wende…zu suchen ist. Speziell im nordöstlichen Harzvorland ist der Rotmilanbestand im Zeitraum von 1991 bis 2001 um 44% zurückgegangen. Auch in Nordrhein-Westfalen hat der Rotmilanbestand zwischen 1975 und 1995 um etwa 30% abgenommen…haben die relativ kleinen Rotmilan-Bestände in Ost- und Südosteuropa, die ohnehin am Arealrand oder schon isoliert leben, mehr oder weniger stark abgenommen und sind in manchen Ländern inzwischen völlig erloschen. Auch auf der Iberischen Halbinsel ist die Anzahl der Brutpaare in den letzten drei Jahrzehnten von ungefähr 10.000 auf rund 2.000 gesunken, also um 80%“.

Diese besorgniserregenden Tendenzen können auch regionale Erfolgsmeldungen über zunehmende Bestände, wie in der Schweiz, in Schweden oder nach Wiederansiedlungen seit 1989 in Großbritannien nicht ausgleichen. Die Art muss deshalb weiterhin als „potenziell gefährdet“  eingestuft werden.    

Diese Gefährdungssituation und die hohe Verantwortung Deutschlands zur globalen Arterhaltung war sicher der Hauptgrund für die Wahl des Rotmilans zum „Vogel des Jahres 2000“ in Deutschland. Besonders der NABU, die deutsche Wildtierstiftung und die HGON e.V. haben sich seitdem mit verschiedenen Projekten verstärkt für den Rotmilanschutz engagiert.

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Sie wollen mehr über diese Projekte oder den Rotmilan erfahren oder sich direkt beim Schutz der Art einbringen? Dann besuchen Sie die hier von uns verlinkten Internetseiten der angegebenen Naturschutzorganisaionen.  

NABU

Deutsche Wildtier Stiftung

HGON e.V.

Der Rotmilan ist mit einer Körpergröße um die 70 cm  und einer Flügelspannweite von bis zu 170 cm deutlich größer und schlanker als ein Mäusebussard.  Neben der rotbraunen Grundfärbung ist es vor allem der tief gegabelte Schwanz, der ihm nicht nur den volkstümlichen Namen „Gabelweihe“ eingebracht hat, sondern auch die Bestimmung im Gelände meist recht einfach macht.

Ursprünglich waren mitteleuropäische Rotmilane typische Zugvögel, die den Winter zusammen mit ihren standorttreuen Artgenossen südlicher Regionen meist in Südfrankreich und auf der Iberischen Halbinsel verbrachten. In letzter Zeit nimmt allerdings – wohl hauptsächlich infolge klimatischer Veränderung – auch bei uns die Zahl der im weiteren Brutgebiet verbleibenden Vögel zu. Allein in Deutschland handelt es sich derzeit dabei sicher um weit mehr als 1000 Exemplare.

Die engeren Brutgebiete werden dadurch oft schon Ende Februar von den meist über viele Jahre zusammen bleibenden Altvögeln besetzt. Die Horste findet man oft in hohen Bäumen in Randlage geschlossener Wälder oder Feldgehölze. Aus Spanien wurden sogar einzelne Felsbruten bekannt. Die Gelege bestehen meist aus zwei bis drei Eiern, die vom Weibchen etwas mehr als 30 Tage bebrütet werden. Wie bei den meisten Greifvögeln, obliegt die Bebrütung, das Hudern der Jungen und deren anfängliche Fütterung auch beim Rotmilan fast ausschließlich dem Weibchen, das während dieser Zeit vom Partner mit Nahrung versorgt wird. Nach einer Nestlingszeit von sieben bis acht Wochen verlässt der Nachwuchs das Nest und wird dann noch fast einen Monaten von den Eltern mit Nahrung versorgt. Diese besteht vorwiegend aus Kleinsäugern – früher besonders aus Hamstern – und kleineren Vögeln.

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Gejagt wird fast immer im typischen gaukelnden Suchflug. Ergriffen wird die Beute dabei bevorzugt aus dem Flug direkt vom Boden ohne zu landen. Auf gleiche Art werden auch regelmäßig tote Tiere aufgenommen, die im Rahmen intensiver Landwirtschaft als Mahdopfer  in den Sommermonaten leider recht zahlreich in unseren Agrarlandschaften aufzufinden sind. Oft wird Rotmilanen diese Vorliebe auf Aas auch selbst zum Verhängnis, wenn sie für einen Moment unaufmerksam bei der Beseitigung von überfahrenen Tieren selbst verletzt oder getötet werden.

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Grasfrosch als Rotmilanbeute
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Feldhamster als Rotmilanbeute

In den letzten Jahren ist der Rotmilan zunehmend als „Problemvogel“ in die Schlagzeilen geraten.

Die Deutsche Wildtierstiftung gibt dazu folgende Informationen:

„Der Rotmilan führt zusammen mit dem weitaus häufigeren Mäusebussard die Liste der an Windenergieanlagen getöteten Vögel an. In Brandenburg haben die Verluste durch die Windkraft bereits populationsgefährdende Ausmaße erreicht. . Aus diesem Grund ist er zu einem Symbol für den Konflikt zwischen Erneuerbaren Energien und Artenschutz geworden und regelmäßig Gegenstand von artenschutzrechtlichen Gutachten und Gerichtsverfahren. Die Vogelschutzwarten der Länder empfehlen aktuell einen Mindestabstand von 1500 m zwischen einem Rotmilannest und der nächstgelegenen Windkraftanlage, um das Risiko einer Kollision zu minimieren.
Erwachsene Vögel verunglücken häufiger als Jungvögel und dabei besonders oft zur Brutzeit, in der der Bedarf an Nahrung besonders hoch ist. Der Tod eines Elterntieres hat meist auch den Verlust der kompletten Brut zur Folge. Aufgrund der Brachflächen am Fuß der Anlagen sind Windparks paradoxerweise attraktiv für die Nahrungssuche der Vögel, denn hier ist die Vegetation niedrig und Beutetiere sind gut sichtbar. Die Rotoren der Anlagen werden dabei nicht als Gefahr wahrgenommen.“

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Zum Abschluss hier noch einige interessante Informationen über „Menschen und Milane“ von der Internetseite „Rettet die Roten –Hilfe für den Rotmilan in Hessen und Europa“:

„Fluchtdistanz früher und heute

Die mittelalterlichen Zeiten, in denen der Rotmilan z. B. in London ein bekannter Vogel war, der Schulkindern im Vorbeiflug Brote und Geflügelkeulen aus den Händen riss, sind längst vorüber.  Heute hält der Rotmilan infolge jahrhundertelanger Verfolgung gegenüber dem Menschen eine Fluchtdistanz von 100 bis 300 m ein. Nur während der Nahrungssuche auch über kleinen und mittelgroßen Ortschaften ist der Milan oft aus größerer Nähe zu sehen.

Sagen und Mythen

Es überrascht kaum, dass sich um einen derart auffälligen Vogel wie den Rotmilan eine Vielzahl von Sagen rankt. Besonders schön (weil der Milan so indirekt geschützt wurde) ist der auf Sardinien lange Zeit heimische Aberglaube, dass dem, der einen Rotmilan tötet, „die Flinte für immer unbrauchbar werde und demselben in dem Jahre sein Weib stirbt“.

Andererseits sollten Fleisch, Leber und Galle sowie Schmalz und Kot des Rotmilans „in der Arzneykunde Wunder“ wirken. Auch war die Gabelweihe als Wetterprophet gefragt: Flog er hoch, bedeutete dies heiteres, trockenes Wetter, flog er niedrig „und schreyet“, so sollte Regen folgen. Zeitweise hielt man den Rotmilan sogar für das Weibchen des Wanderfalken, was aber schon um 1790 aufgeklärt wurde.“

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Quellenangaben:
  • Theodor Mebs; Daniel Schmidt: Greifvögel Europas – Biologie – Bestandsverhältnisse – Bestandsgefährdung. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart  2012  (1)
  • Theodor Mebs; Daniel Schmidt: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens – Biologie – Kennzeichen – Bestände. Franckh-Kosmos Verlag,  2. Auflage 2014  (2)
  • Alfred Brehm:  Brehms Tierleben, 3. Band  – Die Vögel ;  Bibliografisches Institut, Leipzig und Wien, 1921 (7)
  • IUCN 2014. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2014.2. . Downloaded on 2017 (8)