Die Wiesenweihe

Im folgenden Abschnitt haben wir für Sie interessante Informationen über die Wiesenweihe zusammengestellt. Illustriert wurden die Texte mit Fotos von fokus-natur.de.

Lateinisch:   Circus pygargus
Englisch:   Montagu’s Harrier
Französisch:   Busard cendré
Schwedisch:   Ängshök
Spanisch:   Aguilucho Cenizo
Italienisch:   Albanella minore
Russisch:   Луговой лунь

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Porträt Wiesenweihe

Beschreibung der Wiesenweihe

Mit einer Länge von 43 – 47 cm, einer Flügelspannweite von 105 -130 cm und einem Gewicht bis etwa 400 g ist die Wiesenweihe geringfügig kleiner als die Kornweihe und wirkt dadurch auch im Flug noch etwas schlanker und eleganter als die Schwesternart. Diese Unterschiede sind aber in Verbindung mit der großen Ähnlichkeit in der Gefiederfärbung – insbesondere bei Weibchen und Jungvögeln – so minimal, dass es auf jeden Fall großer Erfahrung bedarf, beide Arten im Gelände zu unterscheiden. Sie sollten deshalb als Laie bei ihren Beobachtungen unbedingt gute Bestimmungsschlüssel zu Rate ziehen oder – noch besser – sich anfangs den Rat wirklicher Artkenner einholen.

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Weibchen Kornweihe
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Weibchen Wiesenweihe

Eine Vorstellung zum ursprünglichen Lebensraum der Wiesenweihe gibt uns Alfred Brehm (8):

„Seinem Namen entsprechend, verlangt er weite Wiesen oder wenigstens im Sommer auf größere Strecken hin trockene Sümpfe, siedelt sich deshalb vornehmlich in der Nähe von Flüssen und besonders Niederungen an, die während des Winters bei hohem Wasserstand überflutet werden.“

Wenn wir uns heute in unserer Kulturlandschaft umschauen, wird schnell verständlich, dass die fast vollständige Beseitigung derartiger Biotope – insbesondere in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts – die Hauptursache für den bis heute in vielen Teilen Europas anhaltenden Bestandsrückgang der Art darstellt. Selbst das als erstaunliche Anpassung zu bewertende  Ausweichen der Art auf Getreidefelder als neuen Brutraum brachte nur kurzzeitig Entspannung.

Unter der derzeit  immer intensiver praktizierten Landwirtschaft können Wiesenweihen darum heute bei uns nur noch mit direkter Hilfe des Menschen überleben. Insbesondere die großen Naturschutzverbände  LBV in Bayern und der NABU in Brandenburg engagieren sich deshalb im Wiesenweihenschutz.

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trinkendes Männchen
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trinkendes Weibchen

Da die kleinste einheimische Weihenart heute bei uns vorrangig auf mit Getreide oder Luzerne bestellten  Ackerflächen brütet, ist ihr Nachwuchs durch landwirtschaftliche Bewirtschaftungs- und Erntearbeiten tödlichen Gefahren ausgesetzt.  Nur durch intensivste Betreuung ehrenamtlicher Naturschützer, die die Neststandorte frühzeitig ermitteln und mit Schutzzäunen vor Nesträubern und landwirtschaftlicher Technik schützen, ist es meist noch möglich, die außerdem durch Nahrungsknappheit in unserer intensivst genutzten Kulturlandschaft bedrohte Art zu erhalten und ihre Bestände zu vermehren.

Ein besonders gutes Beispiel dazu liefert das Bundesland mit dem höchsten Brutbestand der Wiesenweihe in Deutschland – Bayern, wo beispielsweise 2015 von insgesamt 227 Brutpaaren erfreuliche 616 Jungvögel aufgezogen wurden.

Wer mehr über die Aktionen von LBV und NABU erfahren will oder sich sogar als Helfer oder Sponsor engagieren möchte, findet hier weitere Informationen:

http://www.lbv.de/unsere-arbeit/vogelschutz/wiesenweihe.html

https://brandenburg.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/voegeln-helfen/19018.html

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Weibchen in der Extremadura

Auch auf der Iberischen Halbinsel, wo es noch ausgedehnte Steppengebiete gibt, finden trotzdem fast keine Bruten mehr in diesem natürlichen  Lebensraum statt. Die oft in enger Nachbarschaft liegenden Getreidefelder werden wegen der dichter stehenden Halme trotzdem als Brutplatz von den Weihen bevorzugt. Hier sind sie vor Bodenfeinden, wie Füchsen und wildernden Hunden sicherer, nicht jedoch vor den Erntemaschinen.

In den südrussischen und kasachischen Steppengebieten brüten Wiesenweihen noch vielfach in natürlichen Steppenlandschaften. Die Brutplätze liegen hier in ca. hüfthoher Vegetation aus Gräsern, Hochstauden und kleinen Sträuchern. Gejagt wird in benachbarten durch Beweidung kurzrasigen Steppenbereichen. Eine enge Verzahnung verschiedener Habitatstrukturen ist auch hier vorteilhaft.

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Wiesenweihen-Männchen in der Extremadura in Spanien

Brutbestand und Zugverhalten der Wiesenweihe

Der durchschnittliche Brutbestand in der gesamten Westpaläarktis wird derzeit auf etwa 50 000 Paare geschätzt, was nicht ganz die Hälfte des Weltbestandes ausmachen dürfte. Während Mitteleuropa davon nur etwa 4000 Brutpaare beherbergt, entfallen fast 70 % des Bestandes auf Osteuropa (2).

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Wiesenweihen sind Zugvögel, die als Langstreckenzieher  bei uns meist im April aus ihren Überwinterungsquartieren in Afrika südlich der Sahara in ihre heimischen Brutgebiete zurückkehren. Hier angekommen, versuchen die Männchen durch auffällige Balzflüge Weibchen anzulocken und sich mit ihnen zu paaren. Gelegentlich kommt es dabei auch zu Paarungen einzelner Wiesenweihen-Männchen mit verschiedenen Weibchen. Polygynie ist bei Wiesenweihen aber viel seltener als bei Ihren Verwandten Rohr- und Kornweihe. Die Ablage der meist drei bis vier weißen Eier in einem für Weihen typischen Bodennest erfolgt dann meist in der zweiten Maihälfte. Die Bebrütung des Geleges beansprucht reichlich vier Wochen. Während dieser Zeit und auch in den ersten Tagen nach dem Schlupf der Jungen obliegt die Nahrungsbeschaffung ausschließlich den Männchen. Die Nestlingszeit beträgt fast fünf Wochen. Danach werden die Jungen noch mehrere Wochen von beiden Altvögeln mit Nahrung versorgt.

Die Nahrung der Wiesenweihen besteht hauptsächlich aus Kleinsäugern – insbesondere Mäusen – und Kleinvögeln. Ergänzt wird sie bei ausreichendem Angebot durch Reptilien und größere Insekten. Bevorzugte Jagdweise ist der bodennahe Suchflug mit dem abschließenden Zugriff am Boden. Wiesenweihen sind aber auch so geschickt und wendig gelegentlich fliegende Beutetiere in der Luft zu ergreifen.

Im August verlassen die Wiesenweihen die Brutgebiete. In Gibraltar verläuft der Zughöhepunkt um die Monatswende August/September. Gegen Ende September werden praktisch keine Wiesenweihen mehr in Mitteleuropa beobachtet. Das macht die Bestimmung zur sehr ähnlichen Kornweihe (vor allem Weibchen und Junge) einfacher, da diese meist nicht vor Ende September Anfang Oktober als Überwinterer bei uns eintreffen. Beide Arten also praktisch in Mitteleuropa nur ausnahmsweise zusammen auftreten.