Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens

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Greifvögel im weiteren Sinne (Greifvögel und Falkenartige) sind eine Gruppe von weltweit etwa 300 Vogelarten.

Die 46 davon in Europa, Nordafrika und Vorderasien als Brutvögel nachgewiesenen Arten möchten wir Ihnen hier in nächster Zeit vorstellen.

Alle aufgeführten Greifvögel sind tagaktiv und ernähren sich mit Ausnahme der Geier fast ausschließlich von lebender Beute. An diese Lebensweise angepasste Merkmale sind insbesondere die kräftigen mit einer gebogenen Spitze und einer weichen Wachshaut ausgestatteten Schnäbel und äußerst wirkungsvolle und scharfe Krallen an ihren Füßen (Fänge, Ständer).

Die Männchen (Terzel) sind bei den meisten Arten deutlich kleiner als die Weibchen – Sexualdimorphismus oder Geschlechts­dimorphismus. Ihre Aufgabe ist es insbesondere, die meist allein brütenden Weibchen während der Brut und Jungenaufzucht mit Nahrung zu versorgen. 

Accipiter nisus; Accipitriformes; Sparrowhawk; Sperber; ad.; adult; birds; female; greifvögel; male; männchen; paar; pröhl; raptors; vögel; weibchen
Sperberpaar (Accipiter nisus)
Accipiter gentilis; Goshawk; Habicht; beuteübergabe; birds; falconiformes; female; greifvögel; male; männchen; pröhl; raptors; vögel; weibchen
Habichtpaar (Accipiter gentilis), Beuteübergabe

Die systematische Einordnung der Arten  änderte sich in vergangener Zeit mehrfach und ist bis heute nicht unumstritten und eindeutig.

So finden wir in „Die Thierwelt – Eine Illustrierte Naturgeschichte der jetzt lebenden Thiere“ von R. Bommeli, (Dietz, Stuttgart; 1894) z.B. folgende Ausführungen:

„Es sind in neuester Zeit Versuche gemacht worden, den Begriff der Raubvögel auch auf die Störche, Reiher, Möwen etc., d.h. auf die Sumpfvögel und die fleischfressenden Schwimmvögel auszudehnen; allein es hat dies nicht allgemeinen Anklang gefunden, und es wäre damit auch nach keiner Richtung hin etwas gewonnen. So bleiben wir denn der herkömmlichen Auffassung treu und zählen unserer Ordnung nur die drei Gruppen der Eulen, der Geier und der falkenartigen Vögel bei.

 Der Körperbau zeigt bei diesen so große Übereinstimmung und gleichzeitig ein so charakteristisches Gepräge, daß es auch dem Unkundigen nicht schwer fällt, sie als das zu erkennen, was sie sind, als Räuber in des Wortes verwegenster Bedeutung, als Tyrannen des Luftreiches . `Man sehe,` sagt  Masius,  `den abgeplatteten Schädel, unter dessen ausspringenden Brauenknochen das Auge hervorblitzt; man sehe dieses graue Auge selbst mit dem scharfen, grausamen Blick, sehe die drohende Krümme des Schnabels, um den sich die gelbe Wachshaut fast wie ein Metallreif legt, das starre Gefieder der Schwingen, die grimmig ausgespannten Krallen, und man wird gestehen, eine solche Gestalt und eine solche Bewaffnung ist mit wahrhaftig schreckenerregender Freigebigkeit auf das Werk der Zerstörung berechnet… Auch die feindselige Vereinsamung, in welcher diese Vögel zu leben pflegen, ist in dem Geschäft des Mordes, wie in ihrem cholerisch-verschlossenen Temperament begründet.` Allerdings fehlt es auch in der Ordnung der Raubvögel nicht an Ausnahmen in Bezug auf Gestalt, Charakter und Lebensweise, aber im Ganzen ist das von Masius entworfene Bild für diese Thiergruppe recht zutreffend.“  

Solche Einschätzungen lassen uns indes nachvollziehen, dass die damals im Volksmund als „Raubvögel“ bezeichneten Tiere als angebliche „Schädlinge“ früher in großer Zahl gefangen, gejagt und getötet wurden, was einer der Gründe dafür war, dass einige Arten bei uns bis zum Aussterben dezimiert wurden.

Circus aeroginosus; Marsh Harrier; Rohrweihe; beuteübergabe; birds; falconiformes; female; greifvögel; male; mirror; männchen; pröhl; raptors; spiegelbild; vögel; weibchen
Rohrweihenpaar bei der Beuteübergabe

75 Jahre nach der Veröffentlichung von R. Bommeli  finden wir im „Urania Tierreich Band 5 – Vögel“, Leipzig, Jena, Berlin Urania von 1969 immer noch folgende recht ähnlich klingende Feststellungen des Autors  Dr. Gottfried Mauersberger  zur Systematik der Greifvögeln (Falconiformes):

„So verschieden Sekretär und Zwergfalk auch sein mögen, so erkennt doch selbst der Laie wohl jede der etwa 270 Arten dieser Ordnung als Greifvögel. Den kennzeichnenden Krummschnabel mit der nackten Wachshaut am Grunde, in der auch die Nasenlöcher liegen, die kräftigen, mit scharfen Krallen bewehrten Beine, mit denen sie die Beute ergreifen, und die meist räuberische Lebensweise …“.

An dieser Einschätzung hat sich sicher auch bis heute bei einem Großteil der Bevölkerung nichts geändert. Alle lebende Beute jagenden „Krummschnäbel“ werden der Gruppe der „Greifvögel“ zugeordnet oder gar der in Vorzeiten gebräuchlichen, Greifvögel und Eulen zusammenfassenden  Bezeichnung „Raubvögel“.

Molekulargenetische Untersuchungen der letzten Jahre haben dieses Bild allerdings grundlegend revidiert. So fand die Wissenschaft heraus, dass die Falken, die als fleischfressende (carnivore) Vögel mit typischer Körper- und Schnabelform traditionell der Ordnung der Greifvögel zugeordnet wurden, näher mit den Papageien (Psittaciformes) und Sperlingsvögeln (Passeriformes) verwandt sind als mit den übrigen Familien der „echten“ Greifvögel (Accipitriformes).

Falco rusticolus; Gerfalke; Gyrfalcon
Gerfalke (Falco rusticolus)
Falco peregrinus; Wanderfalke; greifvöge
Wanderfalke (Falco peregrinus)

Die typischen Greifvogelmerkmale der Falken sind demnach nicht Ausdruck verwandtschaftlicher  Nähe und gemeinsamer Abstammung, sondern das Ergebnis ähnlicher oder gleicher Funktionen (Konvergenz / Parallelevolution)!

Accipiter gentilis; Accipitriformes; Goshawk; Habicht; adult; birds; greifvögel; male; männchen; pröhl; raptors; vögel
Habichtmännchen

Die ursprünglich den Falconiformes zugerechneten „echten“ Greifvögel wurden deshalb aus dieser Ordnung ausgegliedert und bilden nunmehr eine eigene Gruppe, die nach der Gattung der Habichte und Sperber (Accipiter) den neuen wissenschaftlichen Namen Accipitriformes erhielt.

Die heutige Gruppe der Falkenartigen, mit der Gattung Falco, behielt die wissenschaftliche Bezeichnung Falconiformes und umfasst für unser Bearbeitungsgebiet nur noch die Familie Falconidae mit zwölf  Arten.

Falco naumanni; Lesser Kestrel; Rötelfalke; Spain; birds; falconiformes; female; greifvögel; hochforma; male; männchen; pröhl; raptors; spanien; vögel; weibchen
Rötelfalkenpaar

Trotz oder gerade wegen allem wissenschaftlichen Fortschritt ist die systematische Einordnung der Greifvögel der Welt bis heute nicht eindeutig geklärt und mit zunehmender Verbesserung der Untersuchungsmethoden werden auch in naher Zukunft Veränderungen nicht ausbleiben.

Im Folgenden werden wir uns deshalb auf die derzeit (2017) für Europa, Nordafrika und Vorderasien als Brutvögel bestätigten 34 Greifvögel (Accipitriformes) und 12  Falkenartige (Falconiformes) beschränken und Ihnen diese in Wort und Bildern von www.fokus-natur.de etwas umfassender vorstellen.

Auf eine umfassende Auflistung aller Bestimmungsmerkmale der einzelnen Arten werden wir allerdings verzichten und verweisen diesbezüglich auf die umfassend vorhandene Bestimmungsliteratur. Vielleicht kann Ihnen ja auch unsere umfangreiche Bilddatenbank www.fokus-natur.de, in der Sie alle vorgestellten Arten in einer Vielzahl von Altersphasen und Verhaltensweisen betrachten können, weiterhelfen. 

Durch Anklicken der Arten in der folgenden Übersicht der beiden Ordnungen gelangen Sie demnächst zu den jeweiligen Artsteckbriefen der einzelnen Greifvögel und Falken.  Sollte der entsprechende Steckbrief vorerst noch nicht fertiggestellt sein,  werden Sie zur Bildübersicht der entsprechenden Art in unserer fast täglich erweiterten Bilddatenbank weitergeleitet.

Vogelordnungen

Weitere Informationen zu den einzelnen Vogelordnungen  finden Sie hier:

Mensch und Greifvögel

Informationen zum historisch gewachsenen Verhältnis des Menschen zu den Greifvögeln, Kurzportäts einiger Arten und nachahmenswerte Schutzvorschläge enthält die empfehlenswerte Broschüre „Herrscher der Lüfte – Greifvögel in Deutschland“ des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und seines Partners Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV).

Hier eine kurze Leseprobe:

„Als Symbol der Macht sind Adler in Wappen vertreten, zieren den deutschen Bundestag oder geben einfachen Gaststuben prunkvolle Namen. Der Steinadler gehörte überall zu den heiligen Tieren, und die Begeisterung für die grandiosen Jäger mündete schon bald in der Falknerei. Im Jahre 500 war die Beizjagd mit Steinadler, Habicht oder Wanderfalke bereits weit verbreitet. Bis heute erfreut sie sich vor allem im arabischen Raum größter Beliebtheit.

Aquila chrysaetos; Golden Eagle; Steinadler; adler; birds; eagle; falconiformes; greifvögel; pröhl; raptors; vögel
Steinadler
Accipiter gentilis; Goshawk; Habicht, Beizhabicht, Falknerei
Beizhabicht

Den Umschwung brachten erst das 18. und 19.Jahrhundert: Moderne Schusswaffen vereinfachten die Jagd – es war nicht mehr nötig, auf die Hilfe der Greifvögel auf der Beizjagd zurückzugreifen.

Damit wurden auch die einstigen Jagdhelfer mehr und mehr zu Konkurrenten – Anlass für einen wahren Vernichtungskrieg gegen das “Raubzeug”. Leider ist solches überkommene Gedankengut bis heute nicht ausgerottet: Habicht & Co. sind immer noch manchen Bauern, Geflügelzüchtern und Jägern verhasst, so dass illegale Vergiftung, Abschuss und Fallenfang bis in unsere Tage kein Ende gefunden haben.“

Accipitriformes; Haliaeetus albicilla; Seeadler; White-tailed Eagle; adler; birds; eagle; greifvögel; pröhl; raptors; vögel
Seeadler

Die Rechtslage dazu ist allerdings eindeutig:

Alle in Europa vorkommenden Greifvogelarten unterliegen sowohl dem Schutz des Bundesnaturschutzgesetzes,  als auch der EU-Vogelschutzrichtlinie, insbesondere den Verboten:

– des absichtlichen Tötens oder Fangens, ungeachtet der angewandten Methode;
– der absichtlichen Zerstörung oder Beschädigung von Nestern und Eiern und der Entfernung von Nestern;
– des Sammelns der Eier in der Natur und des Besitzes dieser Eier, auch in leerem Zustand;
– des  absichtlichen Störens, insbesondere während der Brut- und Aufzuchtzeit der Jungvögel.

Jeder Verstoß gegen diese Verbote  stellt eine Straftat dar, die mit Geldstrafen oder bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden kann.

Außerdem unterliegen alle Greifvögel neben dem Bundesnaturschutzgesetz auch dem Jagdrecht, genießen aber eine ganzjährige Schonzeit. Greifvogelverfolgungen stellen somit auch einen Verstoß gegen das Bundesjagdgesetz dar.

Accipitriformes; Milvus milvus; Red Kite; Roter Milan; Rotmilan; birds; falconiformes; flight; flug; greifvögel; pröhl; raptors; vögel
Roter Milan

In diesem Zusammenhang sei auch auf den „Leitfaden zur illegalen Greifvogelverfolgung“  Hrsg.: Komitee  gegen den Vogelmord,  Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV) hingewiesen.

Hier ein kurzer Ausschnitt:

„Als unliebsame Konkurrenten um Jagdbeute und angebliche Gefahr für Haus- und Nutztiere, insbesondere Tauben und Geflügel, werden Greifvögel und Eulen seit Jahrhunderten von Menschen verfolgt. Als angebliche „Schädlinge“ sind sie früher zu Hunderttausenden in Totschlagfallen gefangen, geschossen oder mit Ködern vergiftet worden. Vielerorts wurden sogar Kopfprämien für tote Greifvögel und Eulen ausgesetzt, mit denen sich so mancher Jäger ein gutes Zubrot verdienen konnte. Noch bis in die 1960er Jahre war der Abschuss von Bussarden, Habichten, Weihen und Eulen weit verbreitet. So weist die offizielle Jagdstatistik allein zwischen 1935 und 1939 fast 550.000 geschossene Greifvögel und Eulen aus. In der alten Bundesrepublik werden für den Zeitraum von 1950 bis 1970 zwischen einer halben und einer Million getötete Greifvögel angegeben…

Die intensive Bejagung führte zusammen mit der Wirkung von Umweltgiften und Störungen in den Brutgebieten zum großräumigen Zusammenbruch vieler Greifvogelbestände. Einige Arten, wie z. B. Wanderfalke und Uhu, waren Mitte der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts in vielen Ländern Europas ausgerottet. Andere, wie beispielsweise Habicht und Mäusebussard, erlitten dramatische Bestandseinbrüche.

Auf Druck der Vogelschutzverbände wurde die Jagd auf Greifvögel in Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zuerst eingeschränkt und angesichts dramatisch zurückgehender Bestände 1977 schließlich bundesweit ganz verboten. Heute haben sich die Bestände einiger Arten, wie z. B. Wanderfalke und Sperber, dank der Einführung einer ganzjährigen Schonzeit, dem Verbot von DDT und anderen gefährlichen Pestiziden sowie wirksamer Schutzmaßnahmen in den Brutgebieten wieder erholt. Andere Arten, wie z. B. Schreiadler, Wespenbussard und Rotmilan, sind weiterhin akut gefährdet und stehen auf der Roten Liste der in Deutschland gefährdeten Tierarten.“

Accipiter nisus; Accipitriformes; Sparrowhawk; Sperber; birds; falconiformes; greifvögel; juv.; male; männchen; pröhl; raptors; vöge
Sperber

Literaturnachweis

Die Informationen zu den Greifvögeln im Allgemeinen und zu den einzelnen Artsteckbriefen wurden u.a. folgenden Büchern entnommen, bei deren Bildausstattung fokus-natur.de nicht unwesentlich beteiligt war und die wir Ihnen auch für eine vertiefende Beschäftigung mit diesen faszinierenden Vögeln uneingeschränkt empfehlen können:

Theodor Mebs; Daniel Schmidt: Greifvögel Europas – Biologie – Bestandsverhältnisse – Bestandsgefährdung. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart  2012  (1)

Theodor Mebs: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens – Biologie – Kennzeichen – Bestände. Franckh-Kosmos Verlag,  2. Auflage 2014  (2)

Dietmar Nill, Torsten Pröhl, Bernhard Ziegler: Siegertypen – Überlebensstrategien der Greifvögel. Franckh-Kosmos Verlag,  2016  (3)

Dietmar Nill, Torsten Pröhl, Michael Lohmann: Falken – Edle Jäger – Herrscher der Lüfte. BLV Buchverlag GmbH & Co,  2012  (4)

Dietmar Nill, Torsten Pröhl, Dr. Einhard Bezzel:    Adler – Mächtige Jäger – Symbole der Freiheit. BLV Buchverlag GmbH & Co,  2012  (5)

Wolfgang Baumgart: Greifvögel: Artproblem und Evolutionstheorie – Ökofunktionell betrachtet
Verlag J. Neumann-Neudamm, Melsungen  2016  (6)

Außerdem wurden insbesondere, die hier aufgeführten Quellen für die Zusammenstellungen genutzt :

  • Alfred Brehm: Brehms Tierleben, 3. Band  – Die Vögel ;  Bibliografisches Institut, Leipzig und Wien, 1921 (7)
  • IUCN 2014. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2014.2. . Downloaded on 2017 (8)
  • Horst Stern, Gerhard Thielcke, Frederic Vester, Rudolf Schreiber: Rettet die Vögel – wir brauchen sie. F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München/Berlin, 1978  (9)