Der Habicht

Im folgenden Abschnitt haben wir für Sie interessante Informationen über den Habicht zusammengestellt. Illustriert wurden die Texte mit Fotos von fokus-natur.de.

Lateinisch:   Accipiter gentilis
Englisch:   Northern Goshawk  
Französisch:   Autour des palombes
Schwedisch:   duvhök 
Spanisch:   Azor Común  
Italienisch:  Astore 
Russisch:   Ястреб-тетеревятник  

Habicht, Accipiter gentilis, Goshawk, greifvögel, Accipitriformes, raptors, vögel, birdsPorträt Habicht

2015 wurde der Habicht vom  Naturschutzbund Deutschlands und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern zum „Vogel des Jahres “ in Deutschland gewählt.

Da der Brutbestand laut IUCN (8) aber für Europa trotz starker Bestandseinbußen bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts derzeit  mit 166.000 bis 22.000 Paaren wohl als stabil und ungefährdet einzuschätzen ist, kann dies natürlich nicht mit der Seltenheit der Art im Zusammenhang stehen. Die Gründe für die Nominierung der Art finden wir in der von den beiden Naturschutzorganisationen herausgegebenen  Broschüre  „Der Habicht – Vogel des Jahres“, die wir anschließend zitieren und allen für weitere Informationen empfehlen:

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„VERFOLGTER JÄGER

Der Habicht hat eine wechselvolle Geschichte, die bereits im lateinischen Namen Accipiter gentilis steckt: Accipiter heißt in etwa „Der Zugreifende“. Gentilis bedeutet „Der Edle“ – vermutlich ein Hinweis darauf, dass die „edlen Greifer“ seit Jahrhunderten beliebte und bewunderte Jagdbegleiter in der Falknerei sind.

Gleichzeitig ist der Habicht jedoch bei manchen Jägern und Geflügelzüchtern besonders unbeliebt.  Als „Feinde des Niederwilds“ werden Habichte geschossen, als „gierige Taubengeyer“ in Fallen gefangen und getötet.

Seit den 1970er Jahren gehören die geschickten Jäger per Gesetz zu den streng geschützten Arten mit ganzjähriger Schonzeit. Dennoch sind illegal abgeschossene, vergiftete oder gequälte Habichte sowie andere Greifvögel nach wie vor trauriger Alltag.

FRÜHER:

LEGAL VERGIFTET UND GEJAGT

Bis in die 1960er Jahre war der europäische Bestand von Habichten stark rückläufig und in Großbritannien wurde der Vogel sogar ausgerottet.

Vermutlich hatte das zwei Gründe: Die Jagd auf Habichte war gesetzlich erlaubt. Jäger, Geflügel- und Taubenzüchter fingen oder schossen die Tiere geradezu unerbittlich.

Überdies wurden Habichte jahrhundertelang ausgehorstet, um sie anschließend als Beizvögel in der Falknerei auszubilden.

Beizhabicht, FalknereiBeizhabicht

ETAPPENSIEGE

Die Naturschutzverbände haben ganze Arbeit geleistet: Seit Anfang der 1970er Jahre gehören Greifvögel zu den streng geschützten Arten. Obwohl Habichte, wie alle anderen Greifvogelarten, weiterhin im deutschen Jagdrecht als jagdbare Arten aufgeführt sind, genießen sie eine ganzjährige Schonzeit. Jede Nachstellung ist daher eine Straftat, die mit bis zu fünf Jahren Freiheitsentzug geahndet werden kann. 1979 wurde der ganzjährige Schutz des Habichts und der anderen Greifvogelarten durch die Europäische Vogelschutzrichtlinie für die ganze Europäische Union festgeschrieben – ein bahnbrechender Erfolg.

HEUTE:    BESCHULDIGT UND ILLEGAL VERFOLGT

Neben dem Mäusebussard ist der Habicht die am meisten verfolgte Greifvogelart – Tendenz steigend. Vor allem in der Brutzeit zwischen März und Juni leben Habichte gefährlich: Es gibt noch immer einzelne Jäger, die sie als Konkurrenten bei der Jagd auf Niederwild wie Hasen und Fasane sehen. Auch unter Geflügelhaltern gilt der Habicht als Gefahr für Brieftauben und Haushühner. Nach wie vor geht auch der Mythos um, Habichte seien für den starken Rückgang bestimmter Arten wie Feldhase und Rebhuhn verantwortlich. Doch nicht der Habicht ist „schuldig“. Vielmehr finden Rebhühner immer weniger Brutplätze und für ihre Küken nicht mehr ausreichend Insekten zum Überleben – Resultat einer industriell geprägten Landwirtschaft unter Einsatz von Pestiziden.“

Eine neue Gefahr für den Habicht:

In jüngerer Zeit erwuchs für die deutschen Habichtbestände eine neue ernstzunehmende Gefahr. Die immer intensiver betriebene industrielle Forstwirtschaft, nach sogenannter „guter fachlicher Praxis“, fordert jährliche zunehmend  hohe Verluste an Bruten des Habicht und anderer Greifvögel. Holz wird heutzutage oft nicht mehr, wie früher üblich, im Winter eingeschlagen, sondern rund um das Jahr, auch zur Brut- und Aufzuchtzeit der Vögel. Vor allem die im zeitigen Frühjahr mit der Brut beginnenden Greifvogelarten erleiden hohe Verluste durch solche forstliche Störungen.

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Habicht, Weibchen, adult
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Habicht, Jungvogel

Merkmale des Habichts

Habichte sind mittelgroße Greifvögel. Wie bei vielen ihrer Verwandten, sind auch bei Ihnen die Weibchen viel größer und fast ein Drittel schwerer als ihre männlichen Partner.  Mit etwa  60 cm Körperlänge,  115 cm Flügelspanne und bis zu  1300 g  Körpergewicht reichen sie fast an einen Mäusebussard heran.  Sie unterscheiden sich von diesem aber u.a. durch die kurzen, breiten und abgerundeten Flügel, die ihnen im Zusammenspiel mit dem viel längeren Schwanz ihre typische wendige und draufgängerische Flug- und Jagdweise ermöglichen.

Habichte erjagen ihre Beute überwiegend vom Ansitz oder aus einem alle Deckungsmöglichkeiten nutzenden Suchflug  innerhalb der Vegetationsschicht.

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Wieder ist es der Altmeister der Tierbeobachtung,  A. Brehm, der uns dieses Verhalten in eindringlich  bildlicher Weise schildert (7): „Sie sind die geschicktesten Räuber unter ihren Ordnungsgenossen, indem sie mit gleicher Gewandtheit auf fliegende oder laufende, schwimmende oder sitzende Beute stoßen und gleich geschickt auf freiem Felde wie in dichtem Walde zu jagen verstehen. Dementsprechend weicht auch ihre Jagdweise von derjenigen der Bussarde und Falken wesentlich ab. Während diese , in freier Luft kreisend, seltener rüttelnd, nach Beute suchen und plötzlich in jähem Sturze auf die erspähte herabstoßen, wenden die >Habichte den Kunstgriff der Überrumpelung an und ersetzen damit vollständig den Nachteil ihrer geringeren Stoßsicherheit in freier Luft. Entweder gleiten sie eiligen Fluges längs der Waldränder und Hecken dahin, wenden sich plötzlich um die Ecken von Gehölzen und Gebäuden, schießen durch Dickichte hindurch auf Waldblößen und erscheinen unvermutet auf den Tummelplätzen ihrer ahnungslosen Opfer, die sie mit leichter Schwenkung ergreifen; oder aber sie kauern nach echter Straßenräuberart im Baumgezweige versteckt und stürzen sich jäh auf vorüberfliegende oder –laufende Beute.“

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junger Habicht

Die Beute besteht hauptsächlich aus Vögeln und Säugetieren unter einem Kilo Körpergewicht, also z.B. Tauben, Krähen, Hühnervögel oder auch Kaninchen. Die Zusammensetzung der Nahrung wird dabei ausschließlich durch die Verfügbarkeit der einzelnen Arten, also deren Häufigkeit oder Verhaltensbesonderheiten, wie z.B. bei kranken, jungen oder ausgewilderten Tieren, bestimmt.

Der Habicht ist eine mit acht Unterarten in einem breiten Band auf der gesamten Nordhalbkugel der Erde von Nordamerika über Europa bis Asien verbreitete Art. Voraussetzung für das Vorkommen der Art sind dabei eigentlich nur ein ausreichendes Nahrungsangebot und geeignete Gehölze zur Nestanlage. Accipiter gentilis bewohnt deshalb geschlossene Waldgebiete von der Ebene bis ins Gebirge ebenso, wie die offene Kulturlandschaft oder – in letzter Zeit in steigender Zahl – auch die Grünanlagen unserer Siedlungen. Die Reviere werden dabei von den Altvögeln das ganze Jahr über nicht verlassen. Lediglich Jungvögel verteilen sich nach dem Erwachsenwerden meist nicht weit entfernt vom Geburtsort (selten mehr als 30 km).

Es wird heute davon ausgegangen, dass die sehr reviertreuen Habichte in einer lebenslangen Dauerehe (Monogamie) leben. Zur Nestanlage werden normalerweise hohe Bäume – besonders Nadelgehölze – genutzt. Da eine mehrjährige Nutzung der Horste keine Seltenheit ist, erreichen diese oft beträchtliche  Ausmaße. Vollständige Gelege bestehen meist aus drei oder vier grünlichweißen Eiern. Nach einer Brutzeit von fünf bis sechs Wochen schlüpfen daraus im Mai oder Anfang Juni die Jungvögel. Bebrütung, Hudern der Jungen und deren Fütterung obliegt bis zu einem Alter des Nachwuchses von mindestens drei Wochen ausschließlich dem kräftigeren Weibchen, das während dieser Zeit vom Partner mit Nahrung versorgt wird. Nach etwa fünf Woche beginnen die Jungvögel als sogenannte „Ästlinge“ die nähere Umgebung des Nestes zu erkunden. Das elterliche Revier verlassen sie frühestens nach weiteren acht Wochen.

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junger Habicht und Mäusebussard

Als Höchstalter wird für als Beizvogel in Gefangenschaft gehaltene Habichte ein Höchstalter von 29 Jahren angegeben. Beringte Wildvögel wurden bis 19 Jahre alt.

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Abschließend möchten wir auch nochmals auf den gerade im Zusammenhang mit der hier vorgestellten Art wichtigen und sehr informativen „Leitfaden zur illegalen Greifvogelverfolgung“  Hrsg.: Komitee  gegen den Vogelmord,  Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV) hingewiesen.

Mauserfeder des Habichts
Quellenangaben:
  • Theodor Mebs; Daniel Schmidt: Greifvögel Europas – Biologie – Bestandsverhältnisse – Bestandsgefährdung. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart  2012  (1)
  • Theodor Mebs; Daniel Schmidt: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens – Biologie – Kennzeichen – Bestände. Franckh-Kosmos Verlag,  2. Auflage 2014  (2)
  • Alfred Brehm:  Brehms Tierleben, 3. Band  – Die Vögel ;  Bibliografisches Institut, Leipzig und Wien, 1921 (7)
  • IUCN 2014. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2014.2. . Downloaded on 2017 (8)