Der Fischadler

Im folgenden Abschnitt haben wir für Sie interessante Informationen über den Fischadler zusammengestellt. Illustriert wurden die Texte mit Fotos von fokus-natur.de.

Lateinisch:   Pandion haliaetus
Englisch:   Osprey
Französisch:   Balbuzard pêcheu
Schwedisch:   fiskgjuse
Spanisch:   Aguila Pescadora
Italienisch:   Falco pescatore occidentale
Russisch:   Скопа

Porträt Fischadler

Porträt Fischadler

Ursprünglich mit nur einer Art und fünf Unterarten weltweit außer Südamerika geführt, zeichnet sich derzeit eine Aufteilung in weitere Arten ab. So wurde z.B. bereits dem Australischen Fischadler (Pandion cristatus) der Rang einer eigenständigen Art eingeräumt.

Die bevorzugten Lebensräume des Fischadlers sind fischreiche Stand- und Fließgewässer in waldreichen Gegenden sowie bewaldete oder felsige Regionen entlang der Meeresküsten.

Beschreibung des Fischadlers

In Mitteleuropa ist der Fischadler ein Zugvogel,  der in seinem Hauptverbreitungsgebiet – dem nördlichen und nordöstlichen Europa –  etwa Ende März / Anfang April eintrifft. Ende Oktober werden die Brutgebiete wieder verlassen und die Vögel ziehen in breiter Front in ihre bevorzugten Überwinterungsgebiete südlich der Sahara im Westen Afrikas (Langstreckenzieher).

Mit einer Körpergröße von etwa 55 – 60 cm und einer Flügelspanne von ca. 1,50 m (Männchen) bis 1,70 m (Weibchen) ist der Fischadler nur geringfügig größer als ein Mäusebussard. Das Körpergewicht liegt bei erwachsenen Männchen bei etwa 1450 g und erreicht bei den etwas größeren Weibchen etwa 1800 g. In freier Natur wurde ein Höchstalter  von 32 Jahren nachgewiesen.

Charakteristisch für den Fischadler sind seine langen, schmalen, im Flug leicht angewinkelten Flügel, der gebänderte Schwanz und die sehr helle – fast weiße – Unterseite mit einem bräunlichen Brustband. Im Gegensatz dazu ist die Oberseite recht einheitlich dunkelbraun.

Bestandsentwicklung des Fischadlers in Europa

Der geschätzte Brutbestand in Deutschland betrug im Jahr 2013  627 Paare;  in der gesamten Westpaläarktis etwa 9 000 bis 12 000 Brutpaare (2).

Vor wenigen Jahren sah das allerdings noch  ganz anders aus. Horst Stern, Gerhard Thielke, Frederic Vester und Rudolf Schreiber ziehen 1978 in ihrem Buch „Rettet die Vögel, wir brauchen sie“ (Herbig Verlag) folgende traurige Bilanz:

„Die Geschichte des Fischadlers in Europa ist eine einzige Folge von Verlustmeldungen. Nur wenige Lichtblicke lassen für seine Zukunft hoffen. In der gesamten Bundesrepublik ist er als Brutvogel längst ausgerottet; in Baden-Würtemberg gibt es seit 1910, in Bayern seit kurz nach 1900, in Westfalen seit 1940 keine Fischadler mehr; in Schleswig-Holstein haben die letzten zwischen 1880 und 1920 gebrütet. In Dänemark wurde der Adler Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts ausgerottet; heute kann noch mit höchstens zwei Paaren gelegentlich gerechnet werden. Fischadlerleer sind längst die Tschechoslowakei, Österreich und die Schweiz. In anderen Ländern, vor allem auch in den USA, ist der Bestand stark zurückgegangen. Heute gibt es größere Bestände in Europa nur noch in Schweden (etwa 2000 Paare) und in Finnland (800 bis 900 Paare). Aufregend verlief das Schicksal des Fischadlers in England. Hier fand 1908 die letzte Brut statt. 1955 beobachtete man überraschend die erste Wiederansiedlung, die zwanzig Jahre später bereits 14 Paare umfaßte. Die Auswirkungen konsequenten Schutzes sind der Grund für diesen Erfolg.“ (9)

Neben diesem umfassenden individuellen Schutz ist es insbesondere dem Verbot einiger gefährlicher Umweltgifte, wie z.B. DDT zu verdanken, dass sich die düsteren Prognosen von damals nicht bestätigt haben. Obwohl die starken Bestandsverluste Mitte des vorigen Jahrhunderts bis heute noch nicht überall ausgeglichen werden konnten, haben sich die Bestände auch in Deutschland besonders in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern stabilisiert. Eine generelle Gefährdung der Fischadlerbestände in Europa besteht deshalb derzeit nicht mehr.

In Europa gab es in jüngerer Zeit spontane Wiederansiedlung von Fischadlern in Schottland und Zentralfrankreich, wo die Bestände aktuell anwachsen.

In Südspanien und der Schweiz wo Fischadler 1914 zum letzten Mal brüteten, gibt es außerdem ein erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekte, bei denen Vögel aus anderen Teilen Europas mit gesicherten Beständen ausgewildert werden (1).

Brutverhalten und Jagd des Fischadlers

Das umfangreiche  Nest wird meist im Wipfel alter freistehender Bäume errichtet, in Mitteleuropa auch regelmäßig auf künstlichen Bauwerken, vor allem auf Strommasten. Das Gelege besteht meist aus drei, selten zwei oder vier Eiern, die auf weißem Grund rötlich-braun gefleckt sind.  Die Brutdauer beträgt  38 bis 41 Tage.  Nach weiteren 50 bis 54 Tagen sind die Jungvögel flügge, werden aber noch bis zu acht Wochen von den Altvögeln gefüttert. 

Typisch für Fischadler ist, wie der Name schon sagt, der Nahrungserwerb dieser Vögel. Dazu nochmals ein Zitat aus  „Rettet die Vögel, wir brauchen sie“ (Herbig Verlag, 1978):  „Aus zehn bis vierzig Meter Höhe hält er über dem Wasser fliegend  Ausschau. Hat er einen Fisch entdeckt, rüttelt der mächtige Vogel auf der Stelle und stürzt dann mit weit vorgestreckten Füßen und vorgestrecktem Kopf schräg nach unten. Das Tempo des Absturzes ist so bemessen, daß der Fischadler den Fisch noch im Auge behalten und sofort den Stoß abfangen kann, wenn der Fisch weiterschwimmt. Ein neues Anvisieren führt dann vielleicht zum Erfolg. Greift der Fischadler zu, taucht er im aufspritzenden Wasser oft völlig unter. Der Fisch wird mit den spitzen gekrümmten Krallen gepackt. Kurze Zeit ruht der Vogel mit ausgebreiteten Flügeln auf dem Wasser, um sich dann mit wuchtigen Flügelschlägen zu erheben. Mit kräftigen Schüttelbewegungen wird das Wasser aus dem Gefieder.

Bis in die Einzelheiten des Fußbaus ist der Fischadler an seine besondere Ernährungsweise angepaßt:  Die Füße sind kräftig und gedrungen, die Krallen nadelspitz und gekrümmt, an der Zehenunterseite stehen viele kleine Dornen, die ein Entgleiten der glitschigen Fische verhindern.“

Seinen  täglichen Nahrungsbedarf von 300 – 800 g Fisch deckt der Adler dabei meist mit Beutetieren unter einem halben Kilo; stets sind es aber häufige und leicht verfügbare Fischarten. 

Quellenangabe:
  • Theodor Mebs; Daniel Schmidt: Greifvögel Europas – Biologie – Bestandsverhältnisse – Bestandsgefährdung. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart  2012  (1)
  • Theodor Mebs: Die Greifvögel Europas, Nordafrikas und Vorderasiens – Biologie – Kennzeichen – Bestände. Franckh-Kosmos Verlag,  2. Auflage 2014 (2)
  • Horst Stern, Gerhard Thielcke, Frederic Vester, Rudolf Schreiber: Rettet die Vögel – wir brauchen sie. F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, München/Berlin, 1978  (9)
  • IUCN 2014. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2014.2. . Downloaded on 2017 (8)